Juni 2026

Ich war zu Beginn des Monats wieder selbst in Tansania und kann nun sehr ausführlich über den aktuellen Sachstand berichten. Zuerst haben wir uns im Büro in Morogoro getroffen und ein paar administrative Dinge besprochen. Bei der Gelegenheit haben wir natürlich geschaut, was der „Mlambi Tree“ macht. Denn wir haben doch einige Pfefferbäume dort im Bürogarten und beobachten an diesen exemplarisch, was an Wachstum möglich ist. Zum besseren Vergleich hier zuerst zwei Bilder, die fast auf den Tag genau vor zwei Jahren gemacht wurden.

Und nun schauen wir, wie das Ganze heute aussieht.

Was für ein Unterschied. Allein diese beiden Bäume, die 2023 gepflanzt wurden, bringen in diesem Jahr eine frische Ernte von fast 15 Kilogramm. Das ist natürlich nicht repräsentativ, zeigt aber, wie gut die Wachstumsbedingungen für Pfeffer in Tansania sind. Also machen wir uns abends um 21 Uhr mit dem Auto auf den Weg nach Mlimba um unser Projekt zu inspizieren. Bei der Fahrt durch die Nacht hoffen wir um 6 Uhr morgens da zu sein. Es sind ja schliesslich „nur“ 477 Kilometer.

Die Strasse bis Ifakara ist tatsächlich wieder befahrbar, aber es gibt doch eine ganze Reihe von Verkehrshindernissen. Vor allem blockieren immer wieder LKW`s die Strasse. In Ifakara machen wir einen Stopp. Noch einmal tanken, etwas Streching….

…und dann beginnt der Teil mit den unbefestigten Strassen…

Wir verlieren Stunde um Stunde. An Schlaf ist nicht zu denken. Langsam wird es hell, aber die Strassen werden leider nicht besser. Irgendwann halten wir an, um uns etwas zum frühstücken zu kaufen. Denn Frühstück im Camp ist schon lange vorbei.

Und so quälen wir uns weiter bis zur Mittagszeit…

…ehe wir endlich das Gate erreichen.

Wie immer kommt nach der Ankunft der obligatorische Blutdruck-Check. Alle sind begeistert von meinen Vitalwerten…

…und deswegen verlieren wir keine Zeit und machen uns direkt auf den Weg zur Erkundungstour.

Vorbei am „Krokodilsee, erreichen wir die ca. 5 Hektar grosse Fläche, die im März von der Flutwelle erfasst wurde.

Was an Setzlingen zu retten war, wurde in den hinteren Teil verlagert. Neue Pfeffersetzlinge werden gezogen und wer die Bilder genau anschau stellt fest, dass da auch noch eine andere Pflanze zu finden ist. Das sind ca. 10.000 Kakao-Setzlinge. Überhaupt ist es fantastisch zu beobachten, wie schnell sich die Natur erholt und was – neben den Pfeffersetzlingen noch alles wächst.

Das sind Zimtbäume, gefolgt von einem Ingwerfeld….

Bananen…

Tomaten…

Chilis…

Papaya…

Kurkuma…

Jackfruit…

Guave…

Nelken…

Oder auch einem Testfeld, wo wir mit Intercropping Bananen, Bohnen und Vanille zusammen anbauen.

Trotz allem Schmerz lasse ich es mir nicht nehmen und begutachte die Flutzone.

Ich gehe zu dem Flüsschen, das für die Überschwemmung verantwortlich war. Es liegt drei Meter unterhalb dieser Fläche. Und dennoch kam derart viel Wasser, dass die Fläche drei Meter hoch überspült war. Kaum vorstellbar.

Wir gehen weiter und jedes Mal bin ich erstaunt, wie riesig die Farm ist.

Wir passieren die „Wolfgang-Ruch-Road“ und auch die „Bonihorst-Road“…

…und gelangen zu einem der zahlreichen Aussencamps. Diese werden bislang temporär eingerichtet, damit die Arbeiter dort bleiben und nicht täglich ewig weite Wege ins Hauptcamp zurücklegen müssen.

Überall findet sich ein Fahrrad, das zur Messerschleiferei umgebaut wurde. Das ist enorm wichtig, denn die Machete ist dieser Tage eines der wichtigsten Werkzeuge.

Weiter geht die Runde zur Beobachtung und Analyse der Neupflanzungsaktion.

Das sieht alle recht gut und vielversprechend aus. Doch mit der Pflanzung ist es nicht getan. Jetzt brauchen die Pflanzen Licht, um gut wachsen zu können. Dafür müssen die Baumkronen gelichtet werden.

Hier darf man keine europäischen Sicherheitsmassstäbe anlegen. Doch nach übereinstimmenden Aussagen der Mitarbeiter sei noch nie etwas passiert. Hoffen wir, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Das geschnittene Holz und die Äste werden gesammelt und später als Baumaterial oder zum Heizen in der Küche verwendet. Lose Kleinteile und Blätter verroten vor Ort und reichern den Boden wieder mit Nährstoffen an.

Jeden Abend versammeln sich die Mitarbeiter um 19 Uhr, nach getaner Arbeit im Büro um den Tag zu besprechen und die Planung für den nächsten Tag festzulegen.

Unterdessen beziehe ich das Gästezelt und bin mehr als positiv vom Platz und der Ausstattung angetan.

Ich habe sogar ein eigenes Bad…

Also beschliesse ich, eine Dusche zu nehmen. Und das führt dann zu einer kleinen Peinlichkeit meinerseits. Geschuldet meiner westlichen Zivilisation….

Wo genau ist noch einmal die Dusche? Ich sehe sie nicht und muss fragen. Man schaut mich verständnislos an und sagt: Hier, direkt vor deinen Augen.

Fülle einfach den Eimer mit Wasser und nimm ihn mit rein. Mit dem blauen Becher kannst du Wasser schöpfen, dich nass machen und wieder abspülen. Oh mein Gott. Es ist so einfach und funktioniert.

Als es dunkel ist, gehen alle zu Bett. Wer in das Bild hineinzoomt erkennt die – gefühlt – Millionen Sterne am Nachthimmel. Ich liege im Bett, geniesse den Blick aus dem Zelt und während ich meinen Gedanken nachhänge, schlafe ich tief und fest ein.

Am nächsten Morgen gibt es kräftiges Frühstück. Das gibt es immer, was angesichts der harten körperlichen Arbeit auch durchaus angebracht ist.

Nach der Stärkung folgt der zweite Teil unseres Kontrollgangs, bevor wir wieder nach Morogoro aufbrechen.

Mülltrennung und -Sammlung funktioniert. Die Plastikverarbeitung ist in Planung, damit wir aus dem PET echtes Recyclingmaterial gewinnen und sogar eigene Möbel oder Werkzeuge damit vor Ort herstellen können.

Das sind die vorgesehenen Fläche für die eigene Hühnezucht, aber auch für Werkstätten und Pfefferverarbeitung. Direkt daneben steht, etwas abseits vom Hauptcamp, das Zelt/Haus des Plantagenmanagers. Der hat zusätzlich nicht nur seinen eigenen kleinen Acker, sondern auch ein WC-/Duschhäuschen. Auf dem weg dorthin erkennt man links und rechts das gepflanzte Lemongras. Sein Aroma vertreibt nicht nur lästige Moskitos, sondern hält auch Schlangen fern.

Mit einem letzten Blick über die weite Landschaft verlassen wir schliesslich die Farm und machen uns auf den Rückweg nach Morogoro.

Nach den Erfahrungen auf der Hinfahrt entscheiden wir uns, die Rückfahrt nicht über Ifakara zu wählen, sondern über Iringa. Das sind zwar rund 60 Kilometer mehr, doch die Strecke sei viel besser und ausserdem über weite Teile asphaltiert. Zunächst halten wir aber in dem Dorf Taweta, um dem Ortsvorsteher kurz unsere Aufwartung zu machen.

In Mlimba wollen wir noch einmal volltanken, damit wir unterwegs nicht noch Probleme bekommen. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn obwohl Benzin für tansanische Verhältnisse sehr teuer ist (umgerechet ca. 1,50 Euro pro Liter Diesel) gibt es oft gar keinen Sprit oder nur rationiert.

Irgendwann ist der Tank voll und wir fahren endlich los von Mlimba in Richtung Iringa. Wir kommen durch Mgawsi und biegen ab in die Berge, wo uns dieser fantastische Wasserfall begegnet (Durch Klick auf das Bild kommt ihr direkt an die Stelle in Google Maps). Dieser Wasserfall ist aber nicht nur ein Naturschauspiel, sondern wird auch für die Gewinnung von Wasserkraft genutzt.

Nur rund 15 Kilometer weiter war es aber vorbei mit der Fröhlichkeit. Die Strasse war nicht asphaltiert, sondern feucht und rutschig. Kein Wunder also, dass ein liegengebliebener LKW die Weiterfahrt verhinderte.

Zum Glück kam bald ein Traktor, um den LKW abzuschleppen.

Doch kaum angekommen ging dem Traktor der Sprit aus und er musste selbst weggeschafft werden.

Während wir also warteten kam ein Einheimischer zu mir und wollte unbedingt ein Selfie. Er hatte noch nie einen Weissen gesehen.

Schliesslich schafften wir es irgendwie an dem LKW vorbeizukommen, als die nächste Herausforderung bevorstand.

Kaum war diese gemeistert versperrte der nächste LKW die Strasse. Wir bezahlten einem Arbeiter ein kleines Taschengeld, damit der mit seiner Hacke einen kleinen Kanal zum Ablauf des Wassers schlug. Erst bei genauem Hinsehen erkannte ich, dass er zwar eine feste Hose trug, aber ansonsten barfuss war.

Als auch diese Hürde gemeistert war, erreichten wir irgendwann das Dorf Mapanda. Und weil dort jemand gestorben war, gab es einen Trauerumzug. Wir durften also erneut warten…

Für die 37 Kilometer von den Wasserfällen bis Mapanda benötigten wir fast 5 Stunden. Mapanda liegt auf fast 1800 Metern Höhe und entsprechend frisch ist es dort gewesen. Nach 30 Grad in Mlimba nur noch…

Dieses Gebiet bis nach Mafinga und Iringa ist aufgrund der kühlen Temperaturen ein Zentrum der tansanischen Holzindustrie. Erstaunlicherweise findet man hier eine Vielzahl von Nadelhölzern, vor allem auch Pinien, so dass man sich landschaftlich fast nach Europa, mit etwas Fantasie gar in Richtung Schwarzwald versetzt fühlt. Wir haben hier noch ein kurzes Abschiedsfoto gemacht und sind dann ohne grosse Pausen bis nach Morogoro gefahren. 523 Kilometer – 20 Stunden Fahrzeit. Aber trotz allem lässt sich davon in Tansania niemand die Stimmung verderben.